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The Penguin Lessons – Ein Plädoyer für die Freundschaft zwischen Mensch und Tier!

Mit The Penguin Lessons verfilmt Regisseur Peter Cattaneo die autobiografische Erzählung von Tom Michell und setzt dabei auf eine ebenso ungewöhnliche wie berührende Hauptfigur: den Pinguin Juan Salvador. Eine besondere Leistung des Films liegt dabei in der sensiblen, glaubwürdigen und sichtbar respektvollen Arbeit mit dem Tier – ein Aspekt, der entscheidend zur emotionalen Wirkung des Films, frei von Pathos, beiträgt. Der Film führt ins Jahr 1976, an den Beginn der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983), und verortet seine Handlung in Buenos Aires. Der Engländer Tom Michell reist dorthin, um an einer privaten Eliteschule Englisch zu unterrichten. Trotz aller Privilegien und der vom […]

Dany Cage – Rockclub gegen den luxemburgischen Kleinbürgermuff

Ein Ort, der verschwinden sollte In Dany Cage – Histoire d’une émancipation (2024) markiert Joe Cockers With a Little Help from My Friends die letzte Schallplatte, die im ersten psychedelischen Rockclub Luxemburgs aufgelegt wird, bevor die Polizei den Betrieb beendet. Das Lokal in der Rue Beaumont schließt 1972 endgültig. Der Songtitel taugt hier weniger als Sentiment denn als nüchterner Hinweis auf die Entstehungsbedingungen des Films: Knapp fünfzig Jahre später wagt Regisseur François Baldassare mit Hilfe engagierter Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – ehemaligen Gästen, politischen Akteurinnen und Akteuren sowie dem damaligen Betreiber Danilo Gauny – die Rekonstruktion eines Ortes, von dem kaum

“Das Verschwinden des Josef Mengele” – Wie der Nazi-Menschenschlächter von Ausschwitz der Justiz entkam…

Ein Filmporträt von Kirill Serebrennikow basierend auf dem gleichnamigen Roman von Olivier Guez.   Es ist ein Schandfleck der deutschen Nachkriegsgeschichte: Josef Mengele, der Arzt von Auschwitz, der über Leben und Tod entschied, Kinder zu medizinischen Experimenten missbrauchte, Menschen verstümmelte und zu Tode quälte – dieser Mann wurde niemals gefasst, niemals verurteilt. Jahrzehntelang bis zu seinem Lebensende konnte er sich der Justiz entziehen. Dank alter Nazi-Netzwerke, bürokratischer Ignoranz, korrupter Politiker und des stillen Einverständnisses vieler Mitwisser unter anderem seiner eigenen Familie.   „Das Verschwinden des Josef Mengele“ erinnert an diesen moralischen Bankrott – und tut es mit beklemmender Präzision. Der

„Bugonia“ – Bienensterben durch Aliens? Verschwörungswahn oder bitterer Ernst?

Mit „Bugonia“ gelingt Giorgos Lanthimos (Dogtooth, The Lobster, Poor Things, Kinds of Kindness) einmal mehr ein Film, der den Nerv der Zeit trifft. Basierend auf der südkoreanischen Science-Fiction-Komödie „Save the Green Planet“ (2003) von Jang Joon-Hwan verwandelt Lanthimos die groteske Geschichte in eine hämische Parabel über unsere Gegenwart – eine Ära, in der sich Menschen in ihren eigenen Weltbildern verschanzen, Verschwörungstheorien zur Wahrheit erheben und für die Misere der Welt Schuldige suchen: wahlweise Migrantinnen, Milliardärinnen oder – wie hier – Außerirdische. Die Welt vor großkapitalistischen Aliens retten Im Zentrum steht Teddy (Jesse Plemons), ein unscheinbarer Mann aus der amerikanischen Provinz,

“Weapons” – ein modernes Horrormärchen à la Gebrüder Grimm

Auf seinen Film „Barbarian“ (2022), der mit mehreren Auszeichnungen geehrt wurde, folgt nun mit „Weapons“ das nächstes Werk von Regisseur und Autor Zach Creggor. Brillant konstruiert, wirkt dieses moderne Horrormärchen wie eine zeitgenössische Variation der Gebrüder Grimm – eine Geschichte, die ihr Publikum von Beginn an in Bann zieht und bis zum Finale spannend bleibt. Eine amerikanische Kleinstadt im Ausnahmezustand Die Story nimmt in der scheinbar idyllischen Kleinstadt Maybrook ihren Anfang. Eines Nachts, Punkt 2:17 Uhr, verlassen alle Kinder einer Grundschulklasse ihre Häuser, laufen auf unheimliche Weise in die Dunkelheit – und verschwinden spurlos. Am nächsten Morgen sitzt nur Alex

Schule – Bühne der Scheinheiligkeit und der Niedertracht

Halfdan Ullmann Tøndels „Armand“ als sezierendes Kammerszenario der Schuldvermutung Neben Das Lehrerzimmer ist Armand ein weiterer Film, der das gegenwärtige Schulsystem demaskiert und dessen pädagogisches Versagen in den Fokus rückt – ein ernüchternder Blick hinter die Fassade institutionalisierter Fürsorge. Dunkle, graue Flure, die Farbe der Wände blättert in Schuppen ab wie die Patina einer einst gepriesenen Humanität. In Armand zeichnet Halfdan Ullmann Tøndel das Bild einer Schule, die nicht mehr als Ort des Dialogs und gegenseitigen Verstehens funktioniert, sondern zum Schauplatz von Misstrauen und sozialen Spannungen wird. Dabei offenbart sich die bittere Ironie eines pädagogischen Anspruchs, der sich nach außen

Verheiligte Gewalt – Die Saat des Unrechts im Iran

Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof legt  in seinem neuen Werk „ The Seed oft he Sacred Fig“ nicht nur ein intimes Familiendrama vor, sondern in erster Linie eine scharfsinnige Analyse der Dynamik totalitärer Regime – nach Émile Durkheims soziologischer Erkenntnis, dass individuelles Handeln stets im Kontext kollektiver Zwänge und gesellschaftlicher Erwartungen steht. Der Mensch agiert folglich nicht frei, sondern als Spiegelbild gesellschaftlicher Erwartungen – oft um den Preis der eigenen Integrität. Im Zentrum der Handlung steht Iman (Missagh Zareh), ein besonnener, zunächst unauffälliger Familienvater, dessen lang gehegter Berufstraum endlich wahr wird: Er wird zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert. Was für

Auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit des Seins

Im Film My Favorite Cake von Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha trotzt ein Seniorenpaar den iranischen Gesellschaftszwängen, flirtet, tanzt und feiert – ohne sich von der Sittenpolizei einschüchtern zu lassen.   Trotz der Androhung brutaler Repressionen wie Gefängnis, Folter oder gar der Todesstrafe bleibt es immer wieder beeindruckend, mit welcher Zivilcourage iranische Filmschaffende gesellschaftskritische Geschichten erzählen und damit ein internationales Publikum begeistern. Das Regieduo/Ehepaar Moghaddam und Sanaeeha gehört zu diesen mutigen Stimmen. Bereits zum zweiten Mal nahmen die beiden 2024 am Berlinale-Wettbewerb teil und werfen in ihrem neuesten Werk einen sensiblen Blick auf das Altern in einer Gesellschaft, die ältere

Als “Monte Leni” zuerst den Nazi-Filmolymp erklomm und letztlich das Volk der Nuba sichtete…

  Mit seiner Dokumentation “Riefenstahl” gelingt es Andres Veiel, eine vielschichtige und gleichermaßen aufschlussreiche Analyse der umstrittenen Filmemacherin Leni Riefenstahl zu präsentieren. Der Film offenbart neue Perspektiven auf eine Frau, die nicht nur eine Mitläuferin, sondern eine überzeugte Unterstützerin der NSDAP war – und liefert damit mehr als bloß eine Wiederholung bekannter Narrative. Veiel legt den Fokus auf Riefenstahls exzessive Selbstinszenierung und ihren unerschütterlichen Willen, sich von jeglichem Makel ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit reinzuwaschen. Ihr umfangreiches Privatarchiv und die penibel ausgearbeiteten Memoiren zeigen eine Frau, die besessen davon war, als geniale Filmemacherin in die Geschichte einzugehen. Dabei blendete sie konsequent alles

Als der Bock von Babelsberg das deutsche Volk verführte…

Das Jahr 2024 brachte eine beeindruckende Reihe von Filmen hervor, die aus der Perspektive der Täter-innen eindringlich an die Gräueltaten des Nazi-Regimes erinnern und es dabei bemerkenswert verstehen, diese abscheulichen Gewaltverbrechen begreiflich zu machen; doch bleibt „Führer und Verführer“ weit hinter den herausragenden Werken wie „The Zone of Interest“, „Die Ermittlung“ oder „Der Schatten des Kommandanten“ zurück. Der Film „Führer und Verführer“ verfolgt das ambitionierte Ziel, die manipulative Macht von Joseph Goebbels und seine zentrale Rolle zwischen 1938 und 1945 im nationalsozialistischen Regime deutlich zu machen. Trotz der unbestreitbar guten Intentionen von Regisseur Joachim A. Lang, angesichts des alarmierenden Wiederaufflackerns

„Tatami“: Politische Drangsalierung auf der Judomatte

Wenn von Skandalen im Hochleistungssport die Rede ist, denkt man oft an Doping, sexuellen Missbrauch oder finanzielle Korruption. Weniger Beachtung finden jedoch die politischen Zwänge und Gängeleien, denen Sportlerinnen und Sportler durch ihre Regierungen ausgesetzt sind. Drangsalierungen von Athletinnen und Athleten, die sich den politischen Vorgaben des Regimes widersetzen, sind im Iran systematisch.  Sportbetreibende, die sich den politischen Vorgaben des Regimes widersetzen, laufen Gefahr, nicht nur ihre sportliche Karriere, sondern auch ihr Leben und das ihrer Familien zu riskieren. Die Repressalien reichen von massiver Einschüchterung bis hin zu Drohungen physischer Gewalt. Ein prominentes Beispiel ist der Fall des iranischen Judoko

Die bittere Wahrheit über den Holocaust in Auschwitz

“Ich dachte mir, das sind die Bäckereien. Ich hatte gehört, da wurde Tag und Nacht Brot gebacken. Es war ja ein großes Lager.“ Den Rauch der Krematorien von Auschwitz mit dem Rauch von Bäckereien zu verwechseln – eine unerträglich zynische und menschenverachtende Aussage eines Zeugen – ist nur eine von vielen erschütternden Äußerungen, mit denen der Film “Die Ermittlung” von Regisseur RP Kahl sein Publikum konfrontiert. Das Filmwerk, basierend auf dem gleichnamigen Dokumentartheaterstück von Peter Weiss, legt die Grausamkeit und das Ungeheuerliche des Holocausts in aller Kälte offen. Im Oktober 1965 wurde das Stück als Mahnung an fünfzehn ost- und