
About this Episode
Unser CD-Tipp führt uns diesmal mitten hinein in eine „Gemischte Tüte“ – und bei Zwakkelmann ist dieser Titel absolut wörtlich zu nehmen. Das Album wirkt wie ein buntes, schräges, liebevoll zusammengestelltes Paket aus Punk, Rock, Indie, Garage, Pop-Melodien und einer ordentlichen Portion Alltagshumor. Hier geht es nicht um glattpolierten Hochglanz-Sound, sondern um Musik mit Ecken, Kanten und Charakter. Zwakkelmann klingt dabei immer ein bisschen so, als würde er seine Songs nicht auf ein Podest stellen wollen, sondern sie lieber direkt neben dich an den Tresen setzen.
Musikalisch bleibt Zwakkelmann klar im Punkrock verwurzelt, aber „Gemischte Tüte“ ist deutlich mehr als klassischer Deutschpunk. Man hört 60s-Pop, späten 70er-Punk, Garage Rock, Indie, hier und da auch Country- oder Hardcore-Anklänge. Genau diese Mischung macht den Reiz der Platte aus: Sie springt stilistisch herum, verliert aber nie ihren eigenen Charakter. Das Album wirkt manchmal rumpelig, manchmal erstaunlich eingängig, manchmal bewusst daneben – aber nie beliebig. Es hat diesen sympathischen DIY-Charme, der sich weigert, alles sauber glattzubügeln.
Ein großer Teil des Charmes liegt natürlich in den Texten. Zwakkelmann beobachtet, kommentiert, stolpert, meckert und lacht – oft über sich selbst, manchmal über die Welt, meistens über beides gleichzeitig. Die Songs sind direkt, persönlich, manchmal absurd komisch, aber immer mit einem kleinen melancholischen Unterton. Das ist keine Musik, die einem große Parolen ins Gesicht schreit. Stattdessen kommen die Geschichten eher von der Seite: kleine Alltagsmomente, Selbstzweifel, schiefe Gedanken, soziale Beobachtungen. Und genau dadurch wirken sie oft ehrlicher als manches, was sich viel ernster nimmt.
„Gemischte Tüte“ funktioniert, weil Zwakkelmann gar nicht erst versucht, ein großes Konzeptalbum abzuliefern. Es ist eher wie eine Sammlung kleiner Bonbons: Manche sind süß, manche sauer, manche kleben ein bisschen an den Zähnen, aber am Ende greift man doch wieder hinein. Die Platte ist kurzweilig, abwechslungsreich und trägt diesen Geist in sich, den man nicht künstlich herstellen kann: Jemand macht Musik, weil er gar nicht anders kann.
Zwakkelmanns „Gemischte Tüte“ ist damit ein Album für alle, die Punkrock nicht nur als Tempo und Verzerrung verstehen, sondern auch als Haltung: ungekünstelt, direkt, ein bisschen störrisch und mit einem schiefen Grinsen im Gesicht. Das hier ist keine Platte, die um Anerkennung bettelt. Sie kommt rein, stellt sich in die Ecke, erzählt ein paar merkwürdige Geschichten, trinkt vielleicht ein Bier zu viel – und plötzlich merkt man, dass man ziemlich gerne in ihrer Gesellschaft ist.
Unser CD-Tipp der Woche: Zwakkelmann – „Gemischte Tüte“. Ein liebevoll rumpelndes, melodisches, witziges und manchmal wunderbar schräges Album zwischen Deutschpunk, Garage, Indie und Pop. Oder einfacher gesagt: eine gemischte Tüte, bei der man bis zum Schluss wissen will, was als Nächstes drinsteckt.
Zwakkelmann: Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten (3:28)


